Wie alles begann

Im Mai 2017 hatten wir die große Freude und Ehre, auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin zu singen, wo wir von Pfarrer Pascal Bataringaya, Präsident der Presbyterianischen Kirche in Ruanda, gehört und erlebt wurden. Er war so begeistert, dass wir schon 2 Wochen später eine Einladung im Postfach hatten, dass er unseren Chor nach Ruanda einladen möchte, um für und mit den Menschen dort zu singen! Eine unglaubliche Einladung und eine wunderbare Chance, unsere Botschaft mit Leben zu füllen.

Wow! Wir werden schon öfters als Reaktion auf unsere Konzerte in andere Städte oder auch mal Bundesländer eingeladen, aber nach Afrika? Das klang schon sehr exotisch und aufregend. Aber – bekommen wir das auch hin? Schaffen wir das, einen ca. 40-köpfigen Chor für 2 Wochen nach Ruanda zu bringen? Ja! Wir haben es geschafft! Nach vielen internen Gesprächsrunden, monatelanger Planung und Vorbereitung, Sponsorensuche, Orga-Treffen, Infoabenden und Impfungen trafen wir uns am 6. August 2019 – also gut 2 Jahre nach der Einladung, am Flughafen München, um diese außergewöhnliche Reise unter dem Motto „COME TOGETHER“ anzutreten. Was wir alles erleben durften und welche wunderbaren Menschen wir dort getroffen haben, erzählen unsere Videos, Fotos, das Reisetagebuch und die Presseberichte. Wir wünschen viel Spaß beim Schmökern!

Reisetagebuch

Tag 1: Flug nach Kigali

Am 6. August 2019 begannen wir unsere spannende Reise nach Ruanda, die wir 2 Jahre lange vorbereitet hatten und dank einiger wohlwollender Unterstützer sowie der Zusage des Bayerischen Musikrats für den großzügigen Zuschuss ermöglichen konnten.

Nach 14 Stunden erreichten wir mit Zwischenstopp in Istanbul den Flughafen von Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, und wurden dort herzlich von Emmanuel Muhozi, unserem wunderbaren Begleiter auf dieser Reise, in Empfang genommen. 3 Busse warteten bereits darauf, uns in unsere erste Unterkunft zu fahren, dem Isano Guesthaus. Dort haben wir um 1:30 Uhr unsere Zimmer bezogen und wurden noch mit einem Mitternachtssnack verwöhnt. Glücklich aber ziemlich k.o. sind wir nach diesem langen, ereignisreichen Tag in unsere Betten gefallen. Es sollte nicht der letzte gewesen sein.

Tag 2: Rundfahrt - Genocide Memorial Museum - Chorprobe

Nach einer kurzen Nacht und einem wunderbaren Frühstück ging es am nächsten Tag mit 2 Bussen nach Downtown Kigali, um uns dort erstmal mit Trinkwasser und Rwanda Francs einzudecken. Anschließend führte uns unser Guide Emmanuel auf einen der großen Hügel von Kigali, von wo aus wir den spektakulären Ausblick auf die ganze Stadt genießen konnten.

Dann standen uns ein paar harte Stunden bevor: wir besuchten das „Genocide Memorial“, wo wir geführt von zwei Zeitzeugen vieles über die Schrecken des vor 25 Jahren stattgefundenen furchtbaren Völkermords erfuhren. Sehr bedrückt und stumm kehrten wir in unser Guesthouse zurück. Noch lange beschäftigte uns das Gehörte und Gesehene aus dem Völkermordzentrum. Der Besuch half uns aber auch, das Land und die Menschen besser verstehen zu lernen.

Um uns auf andere Gedanken zu bringen, wurde am Abend spontan eine Chorprobe anberaumt. Schließlich war es ja auch Mittwoch ;-) und am nächsten Tag stand unser erster offizieller Auftritt auf dem Programm.

Tag 3: Besuch der Tubahumurize Association - Konzert für die deutsche Botschaft

Für den nächsten Tag stand ein Besuch in der „Tubahumurize Association“ auf dem Programm, einer Organisation, die sich um weibliche Genozid-Opfer kümmert. Traumatisierte Frauen werden dort professionell betreut und Waisenmädchen erhalten eine Schneiderausbildung. Sie waren es auch, die unsere neuen afrikanischen Schals genäht hatten, die wir dann auch feierlich in Empfang nahmen. Nachdem die Mädchen und Frauen sowie auch wir ein paar Lieder vorgetragen hatten, endete die Begegnung in einem fröhlichen und ausgelassenen gemeinsamen Singen, Tanzen und Umarmen.

Am späten Nachmittag hatten wir einen weiteren besonderen Termin: wir waren zu einem Empfang bei der Geschäftsträgerin der der deutschen Botschaft in Kigali – Frau Renate Lehner – eingeladen und durften dort zu Ehren ihres Geburtstags ein Konzert singen. Wir erfuhren bei dieser Gelegenheit viel über Ruanda und seine Bevölkerung und bei einem Gläschen Wein kamen anschließend tolle Gespräche mit den unterschiedlichsten, internationalen Gästen zustande.

Tag 4 - Tag 6: Kirchentag in Rwamagana - Begegnung in Nyarubuye Parish

Mit unseren drei Bussen fuhren wir am nächsten Morgen Richtung Osten nach Rwamagana zum presbyterianischen Kirchentag, unter anderem eines unserer Hauptziele dieser Chorreise. Der Kirchentag fand auf einem großen Fußballfeld statt, flankiert an beiden Seiten von weißen Zelten und am Ende gekrönt von einer großen Holzbühne. Wir verbrachten dort 3 Tage gemeinsam mit vielen ruandischen Chören, einem Chor aus Tansania, vielen kirchlichen Würdenträgern und ca. 3000 Besuchern. Wir erlebten neben vielen langatmigen Predigten unvergessliche Momente während unserer viel umjubelten Auftritte. Weitere Highlights des Festivals waren die stimmgewaltigen rhythmischen Darbietungen der anderen Chöre, die Trommelgruppe, die vielen Tanzgruppen in ihren farbenfrohen Gewändern und – last but not least – die Predikt von Heinrich Bedford-Strohm und die Rede unseres musikalischen Leiters Bastian Pusch. Absoluter Höhepunkt war jedoch das gemeinsame Tanzen mit Hunderten von Menschen in der Abendsonne von Rwamagana, begleitet von schnellen afrikanischen Rhythmen und aufsteigendem rotem Staub.

Im Anschluss an den Kirchentag ging’s über Staubstraßen noch weiter Richtung Osten, wo wir abends die abgelegene, ländliche Kirchengemeinde „Nyarubuye Parish“ besuchten. Das ganze Dorf wartete schon sehnsüchtig auf uns und begrüsste uns singend und tanzend. Nachdem auch wir zwei Songs aus unserem Repertoire zum Besten gegeben hatten, endete auch dieses Treffen in einem gemeinsamen Lied und ausgelassenem Tanzen.

Tag 7: Safari durch den Akagera Nationalpark

An diesem Tag war Safari angesagt. Wir mussten schon sehr früh aufstehen (schließlich stehen die Tiere auch früh auf) und fuhren mit 3 Bussen zum „Akagera National Park“ im Osten des Landes. Die Fensterplätze waren natürlich sehr begehrt, da jeder eine gute Aussicht während des Tages genießen wollte. Um 8 Uhr begann unsere Safari-Tour durch den Nationalpark, begleitet von drei sachkundigen Guides. Über sieben Stunden waren wir in dem riesigen Park unterwegs, gebannt von der wunderschönen Landschaft und immer nach Wildtieren spähend.  Währenddessen erzählten die Guides viele spannende Fakten über den Park und seine Bewohner bis sich uns schließlich eine spektakuläre Auswahl an Tieren bot: Büffel, Antilopen, Affen, Zebras, Wildschweine, Krokodile, Elefanten, Giraffen und Flusspferde. Schon ein unglaubliches Gefühl, diesen Tieren in freier Wildbahn so nahe zu kommen.

Ganz aufgekratzt aber auch erledigt von der langen Reise durch den Nationalpark sowie mit einer feiner roten Staubschicht überzogenm fuhren wir zurück nach Rwamagana, luden dort unser Gepäck ein und fuhren nochmal 1,5 Stunden nach Kigali – in unser wohlbekanntes Isano Guesthaus. Es war fast wie „nach Hause“ kommen nach diesen 4 aufregenden Tagen.

Tag 8: Besuch des Projekts Wikwiheba in Byumba - Cultural Evening in Kigali

Am nächsten Tag fuhren wir durch wunderschöne Berglandschaft nach Norden, um das „Wikwiheba Project“ in Byumba zu besuchen. Dieses Hilfsprojekt der presbyterianische Kirche – welches übersetzt „Verzweifle nicht!“ bedeutet – finanziert für ca. 45 Waisenkinder an fünf Wochentagen eine warme Mahlzeit am Tag, die Schulbildung und für einige Kinder eine weiterführende Ausbildung, z.B. als Näherin. Es war sehr berührend, die dort betreuten Kinder zu treffen und angesiedelte Schneiderei und Landwirtschaft zu bewundern. Wie bei jedem Besuch lag auch hier der Fokus auf der musikalischen Begegnung mit viel Rhythmus und Gesängen. Nachdem die Kinder für uns gesungen hatten, revanchierten wir uns mit zwei Songs und dann wurde wieder ausgiebig zusammen getanzt.

Mit vielen neuen Eindrücken fuhren wir wieder zurück nach Kigali, denn für den Abend war noch eine spannende Einladung ausgesprochen worden. Pascal Bataringaya, der Leiter der presbyterianischen Kirche in Ruanda, der uns nach Ruanda eingeladen hatte, hatte für den heutigen Abend einen „traditional cultural evening“ organisiert. Im Lemigo Hotel auf einem der Hügel Kigalis erwartete uns nicht nur eine fantastische Aussicht auf ganz Kigali und eine wunderbares Dinnerbuffet sondern auch eine faszinierende Tanzdarbietung von der wohl bekanntesten Tanzformation Ruandas „Inganzongari. Mit ihren Trommlern, dem kleinen Chor sowie den Tänzerinnen und Tänzern war der Abend wirklich sehr spektakulär und wir waren Pascal unglaublich dankbar für die gesamte Organisation der Reise inklusive dem heutigen Abend. Zum Abschluss und Dank überreichten wir ihm eines unserer Chor T-Shirts.

Tag 9: Fahrt zum Lake Kivu - Chorprobe

Am Mittwoch, dem 9. Tag unserer Reise, stand wieder ein Ortswechsel auf dem Programm: wir machten uns auf den Weg zum Kivu See im Westen von Ruanda. Nach drei Stunden Fahrt durch wunderbare Landschaften erreichten wir das Bethany Hotel – direkt am See gelegen. Was wir hier vorfanden, hatte keiner erwartet: ein See – dreimal so groß wie der Bodensee, Berge, Palmen, tropische Pflanzen, verstreute Bungalows …. ein traumhafter Ort, um sich zu erholen.  Und genau das machten wir:  einige machten eine Wanderung durch den Busch über eine Inselzunge, andere genossen einfach die Aussicht über den See oder sprangen hinein, um ein paar Runden zu drehen.

Da schon wieder Mittwoch war, kamen wir abends für unsere wöchentliche Chorprobe zusammen. Zwei neue Lieder für unseren Gottesdienst in Gikondo am Sonntag standen an. Durch die sehr erfolgreiche Probe freuen wir uns schon sehr auf den Gottesdienst, denn die Lieder werden wir nicht alleine singen, sondern mit dem dortigen Chor!

Tag 10: Bootsfahrt zu Napoleon- und Monkey-Island - Besuch der Stadt Kibuye

Eine kleine Gruppe startete mit einer Yoga-Stunde auf der Dachterrasse des Hotels – mit herrlichem Ausblick über den Lake Kivu.

Nach dem gemeinsamen Frühstück stiegen wir alle in drei Holzboote und schipperten zum Napoleon Island. Dort machten wir einen einstündigen Rundgang mit Aufstieg zum Gipfel der Insel. In den Bäumen der Insel hingen viele Flughunde, die sich laut schnatternd unterhielten und uns begrüßten. Auf dem Hügel der Insel genossen wir ein rundum Panorama und konnten sogar in der Ferne die Umrisse des Kongo entdecken. Wir revanchierten uns mit einem unserer Afrikasongs „Yezu azali awa“. Auf dem Rückweg zum Bethany Hotel fuhren wir mit unseren drei Booten noch an der Monkey Island vorbei, auf der sechs kleine Äffchen wohnten, nachdem sie aus einem der Nationalparks umgesiedelt worden sind.

Der Nachmittag stand wieder zur freien Verfügung. Ein Teil der Gruppe fuhr nach Kibuye, um das Dorf kennenzulernen, andere spielten Schafkopf, gingen schwimmen, lasen Bücher – jeder genoss den Nachmittag auf seine Weise.

Tag 11 und 12: Relaxen am Kivu-See

Die letzten zwei Tage haben wir uns eine Auszeit gegönnt und am Kivu See relaxed. Nach den vielen bewegten Tagen mit außergewöhnlichen Begegnungen und Erlebnissen in der Gruppe, konnte jetzt Jede(r) tun und lassen was er bzw. sie wollte. Das nahe gelegene Örtchen bot einige Shopping-Möglichkeiten und so deckten sich viele mit farbenfrohen afrikanischen Stoffen oder anderen urigen Souvenirs für die Lieben zu Hause ein. Das herrliche Wetter und der verlockende See luden natürlich auch zum täglichen Schwimmen ein.

Zum Abschluss am Samstag Nachmittag bedankten wir uns bei der Belegschaft des Bethany Hotels mit „Go Tell it on the Mountains“ und stiegen dann wieder in unsere Busse, um nach Kigali in unser „Zuhause“ namens Isano Guesthouse zu fahren. Dort haben wir unsere letzte Nacht in Ruanda verbracht, denn am nächsten Tag gings schon wieder in Richtung Deutschland. Aber noch wartete ein wunderbarer letzter Tag auf uns!

Tag 13: Gikondo - Begegnungskonzert mit „Le Seneve Choir“ - Rückflug München

Unser letzter Tag in Ruanda war angebrochen. Es ging zum krönenden Abschluss nach Gikondo zur presbyterianischen, festlich geschmückten Kirche „Kiyouvu Parish“. Hier fand nun die langerwartete Begegnung mit dem Chor „LE SENEVE CHOIR“ statt. Nach einem rauschenden Gottesdienst (der in Ruanda gern mal ein paar Stunden dauern kann) mit viel gemeinsamer Musik und Tanzen gab es ein „Meet and Greet“, in dem Bastian, unser musikalischer Leiter und Olive, die Präsidentin des „Le Seneve Choir“, die jeweiligen Chöre vorstellten. Somit war unsere ruandisch-deutsche Chor-Partnerschaft besiegelt. Wir freuen uns auf eine lange Partnerschaft mit dem Chor und sind gespannt, wann wir uns mal wieder sehen.

Nachdem Nachmittags noch die letzten Souvenirs eingekauft wurden, trafen sich alle am Abend, um sich bei unseren Gastgebern Pascal und Emmanuel, die uns in Ruanda so wunderbar beherbergt und begleitet haben, zu bedanken. Ein großes Dankeschön wurde auch Bastian und dem Ruanda-Arbeitskreis ausgesprochen, der diese Reise über Monate im Voraus geplant hatte. Nach dem Abendessen ging’s mit unseren lieb gewonnenen Bussen zum Flughafen.

Nach zwei anstrengenden Flügen waren wir wieder zurück in München. Die Reise war nun leider vorbei und wir waren uns alle einig, dass jeder noch ein paar Tage brauchen würde, um zu begreifen, was wir alles erlebt hatten.

Ruanda – wir werden dich nie vergessen! 

Unsere schönsten Videos

Gospelchor St. Lukas on Tour in Ruanda

Im August 2019 reisten wir in das ostafrikanische Land Ruanda, um dort lokale Chöre zu treffen, mit ihnen zu singen sowie am Kirchentag der Presbyterianischen Kirche Ruandas aufzutreten.

Kirchentag in Rwamagana

Offizielles Video des dreitägigen Kirchentages der Presbyterianischen Kirche Ruandas (EPR) in Rwamagana, zu welchem wir als Gastchor eingeladen waren.

Byinira – Unsere Ruanda-Reise live erzählt

Auf unseren Weihnachtskonzerten „Come Together!“ berichteten wir von unserer Ruanda-Reise. Das Video vereint Impressionen unserer Reise mit den Konzert-Liveaufnahmen.

Unsere schönsten Bilder

Unsere Reise in der Presse

Interview im ERF (09.09.2019): „Singen, beten, Brücken bauen“ – Münchner Gospelchor St. Lukas beim Kirchentag in Ruanda. Unter dem Motto „Come together“ ist der Münchner Gospelchor nach Ruanda gereist.

Artikel in The New Times (10.08.2019): „German choir in Rwanda for music festival“ – German choir, St. Lukas Munchen is in Rwanda for a music festival.

Süddeutsche Zeitung (04.08.2019): „Moskitonetz und A-cappella-Songs“
Alexandra Junginger reist mit dem Gospelchor St. Lukas nach Ruanda

Münchner Wochenanzeiger (28.08.2019): Singen im „Land der 1.000 Hügel“
Auf Einladung der presbyterianischen Kirche Ruandas war der Gospelchor St. Lukas zwei Wochen in Ruanda unterwegs.

Artikel in KT Press (Ruanda, 10.08.2019): Germany Choir To Connect Rwanda Women To European Markets“. A Germany Christian church choir has committed to support …

Münchner Wochenanzeiger (04.07.2019): „Chor reist nach Ruanda“
Teilnehmer freuen sich auf Singen und Begegnungen in Afrika

Wir bedanken uns für die Geldspenden seitens des Bayerischen Sängerbundes, des Modehauses LODENFREY aus München und der Rotary Stiftung Germering sowie für die Sachspende von HERMES Arzneimittel GmbH aus Pullach.

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